Tipps und Tricks


Der verd... Simmering® im Lagerschild


Ungezählt sind die Flüche von Maxschraubern, die versuchten, den Simmerring® im Lagerschild zu wechseln. Der Einbau eines neuen Simmerrings® ist ja kein Problem, aber vorher muß man der alten Simmerring® ausbauen.

Gar schreckliche Reparaturmethoden wurden (auch hier im MAXFAHRER) schon empfohlen. Etwa das Lagerschild zu durchbohren und durch die Löcher den Simmerring® mit einem Dorn herauszuschlagen. Bei so etwas sträuben sich mir die Nackenhaare. Und wer kennt nicht die vermackelten Lagerschilde, bei denen ein Vorbesitzer (es sind immer die Vorbesitzer!) den Simmerring® mit dem Meißel "ausgebaut" hat.

Doch jetzt Schluß mit dem Pfusch! Heute steht den meisten Bastlern ein Schutzgas-Schweißgerät zur Verfügung. Zumindest kennt man einen der eins hat. Mit so einem Schutzgas-Schweißgerät wird der Ausbau des Simmerings® zur reinen Freude. Und zwar geht das so:

Zuerst entfernt man mit einem Messer o.ä. die Gummi- bzw. Kunststoff-Innenteile des alten Simmerrings®. Dann schweißt man mit dem schon genannten Schutzgas-Schweißgerät einen dünnen Blechstreifen (0,7 bis 1 mm dick, ca. 10 mm breit) an den verbliebenen Metallring des alten Simmerrings®. Das hat nun zwei Effekte: Erstens löst die eingebrachte Wärme den Festsitz des Simmerrings® und zweitens hat man nun einen "Griff", an dem man den alten Simmerring® herausziehen kann. Wenn man z.B. den angeschweißten Blechstreifen im Schraubstock einspannt, so löst sich mit leichten Hammerschlägen jeder Simmerring® im Handumdrehen.

LagerschildFür das Lagerschild ist diese Ausbaumethode sehr schonend. Da Alu ein guter Wärmeleiter ist, passiert ihm nichts, auch wenn das Eisen des Simmerrings® örtlich glüht. Sorgfältiges Arbeiten ist natürlich Voraussetzung. Sehr bewährt hat sich dabei ein automatisches Schweißschutzschild, welches sich erst beim Zünden des Lichtbogens verdunkelt (Aber welchem Schweißer erzähle ich das. Wer einmal damit gearbeitet hat, der will nie wieder anderes).

Nachdem der alte Simmerring® nun endlich aus dem Lagerschild heraus ist, geht es an den Einbau des Neuen. Ich empfehle die Ausführung "Gummi außen" zu verwenden. (Bei Freudenberg "SIMRIT" heißt diese Ausführung "BA", bei anderen Herstellern möglicherweise anders.) Bei diesen Simmerringen® ist der metallene Trägerring vollständig, also auch außen, gummi- bzw. kunststoffbeschichtet. Außer der Feder sieht man bei diesen Simmerringen® kein Metall. Durch diese weiche Außenfläche dichten sie besser in der Bohrung ab und lassen sich auch leichter montieren. Diese Vorteile dürften den geringen Aufpreis wert sein.

Vor dem Einbau sollte man in jedem Falle die Aufnahmebohrung im Lagerschild sorgfältig reinigen und ggfs. die Kante entgraten.

Beste Methode zur Montage (vom Hersteller vorgeschrieben!): Auf einer mechanischen oder hydraulischem Presse wird der Simmerring® mit einem speziellen Preßstempel, der auf die Grundfläche zwischen Außenring und Lippe drückt, eingepreßt.

Zweitbeste Methode zur Montage (für Bastler): Den Simmerring mit einem Dorn aus Hartholz oder weichem Metall (Kupfer, Alu), welcher etwas größer ist als der Außendurchmesser des Simmerrings, mit vorsichtigen Hammerschlägen einschlagen.

Drittbeste Methode (Pfusch, garantiert bald wieder undicht): Den Simmerring® mit einem dünnen Dorn, Durchtreiber o.ä. durch Schläge auf den Außenrand einschlagen.

Also, nun behaupte niemand mehr, er könne den Simmerring nicht aus dem Lagerschild bekommen.
 

Hinweis:
Simmerring® ist ein eingetragenes Warenzeichen der Firma Carl Freudenberg, Weinheim. An sich heißen die Dinger Radial-Wellendichtringe. Merke: So wie nur der Cognac aus Cognac sich Cognac nennen darf, so dürfen sich nur die Radial-Wellendichtringe von Freudenberg Simmerringe® nennen.

© Andreas Mehlhorn, veröffentlicht im MAXFAHRER 2/96